Nassim Nicholas Taleb: Der schwarze Schwan
Nassim Nicholas Taleb:
Der Schwarze Schwan ; die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse.
– Hanser, 2008
Der Schwarze Schwan ; die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse.
– Hanser, 2008
Der Autor hatte einen zurzeit äußerst unbeliebten Beruf: er war Trader an der Wall Street und hat mit dem Crash von 1987 viel Geld verdient. Auch die von ihm aktuell beratene Investment-Firma hat von dem jetzigen Crash profitiert. Taleb selbst lebt jedoch nicht mehr vom traden, sondern leistet sich den „Luxus“, als Mathematikprofessor und Professor für die Wissenschaft von der Unsicherheit an der University of Massachusetts einer weniger aufregenden Tätigkeit nachzugehen. Zurzeit ist er mit Interview-Wünschen mehr als ausgelastet, denn er gilt als „Prophet der Krise“.
Taleb weist den Zusammenhang seiner aus heutiger Sicht korrekten Prognosen hinsichtlich der Finanzkrise mit dem Buch zurück. Thema des Buches seien die Auswirkungen unvorhergesehener Ereignisse, die Finanzkrise sei aber schon seit Jahren vorhersehbar gewesen. Er selbst kündigte sie schon 2003 als möglich an und prophezeite 2006 den Zusammenbruch der Investment-Bank Fannie Mae („sie sitzen auf Dynamit“).
Komplexe Netzwerke, so seine Aussage, machten die Welt heute zwar stabiler, doch wenn sie zusammenbrechen, habe das schlimmere Auswirkungen als zu früheren Zeiten, und zwar in allen Bereichen, die als komplexe Netzwerke organisiert sind: Finanzwirtschaft, globaler Handel, Klima, Internet, Stromversorgung. Die globale Vernetzung schaffe eine ineinander greifende Verwundbarkeit der Systeme:„Wenn es geschehen wird…Ich zittere bei dem Gedanken“. Somit richtet sich sein Buch vor allem an Personen, die sich mit dem Thema Vorhersagbarkeit und Risikomanagement auseinandersetzen.
Im dritten Teil ist „Der Schwarze Schwan“ eine Attacke auf die in vielen Lebensbereichen eingesetzte Gauß’sche Glockenkurve zur Abbildung und Berechnung von Risiko-Wahrscheinlichkeit. Es ist mit philosophischen, geschichtlichen, technischen, wirtschaftlichen und mathematischen Beispielen angereichert.
Taleb selbst betrachtet sich – ungewöhnlich für einen ehemaligen Trader - als Philosophen. Der Schreibstil ist anekdotisch, humorvoll und bissig und so ist es kein Wunder, dass er sich damit nicht nur Freunde gemacht hat. Besonders Wirtschafts-Nobelpreisträger geraten in die Kritik. Frank Schirrmacher von der F.A.Z. hält Taleb für „brillant“. Sein neues Buch könne zum Standardwerk einer Gesellschaft werden, die gerade die Zerstörung ihrer Lebenssicherheit erlebt.
„In meiner ganzen Berufserfahrung habe ich niemals einen Unfall irgendeiner nennenswerten Art gesehen. Ich habe ein einziges Mal in all meinen Jahren auf See ein Schiff in Seenot gesehen. Niemals habe ich ein Wrack gesehen und niemals bin ich schiffbrüchig gewesen, und niemals war ich in einer Situation, die drohte in irgendeiner Art von Desaster zu enden.“ 1907, E.J. Smith, Kapitän zur See und 5 Jahre später Kapitän der Titanic, zitiert nach Taleb, Der Schwarze Schwan.
hoffmeier - 15. Dez, 18:05

